COVID-19 Pandemie - Coronakrise

„Im Sturm muss der Kapitän auf der Brücke sein“

Share this article

Die Welle der Solidarität, die durch die ganze Stadt gegangen ist, hat mich berührt und stolz gemacht.

Bürgermeisterin Dr. Maria-Luise Mathiaschitz

Klagenfurt hält zusammen – Bürgermeisterin Dr. Maria-Luise Mathiaschitz im Interview

Wie haben Sie als Bürgermeisterin, Krisenmanagerin und Ärztin die vergangenen Wochen erlebt?
Als große Herausforderung für uns alle. Corona ist die größte Krise seit Generationen und die Maßnahmen der Bundesregierung haben unser Leben massiv eingeschränkt. Denn um eine Ausbreitung des Covid-19-Virus zu verhindern, mussten drastische Maßnahmen getroffen werden. Klagenfurt hat rasch reagiert und die Infektionszahlen zum Stagnieren gebracht. Ich bin sehr dankbar und froh, dass die große Mehrheit der Klagenfurterinnen und Klagenfurter so diszipliniert waren und sind. Natürlich gilt es weiterhin Vorsichtsmaßnahmen einzuhalten, doch ein großer Schritt zurück in den gewohnten Alltag ist nun möglich, das
ist sehr positiv.

Weniger positiv sind die sozialen und wirtschaftlichen Auswirkungen der Krise …
Das ist leider schlimm untertrieben. Die Schadenswelle ist gewaltig und hat ihren Höhepunkt noch gar nicht erreicht. Trotz enormer Einnahmenverluste hat die Landeshauptstadt von Anfang an alles getan, um die Bürgerinnen und Bürger in dieser schwierigen Situation zu unterstützen. Beispielsweise wurde für sozial Schwache gemeinsam mit den Stadtwerken ein Hilfspaket geschnürt, sodass niemand, der aufgrund der Krise im Zahlungsrückstand ist, auf Strom oder Heizung verzichten muss.
Die Volksküche hat für Menschen mit  wenig Einkommen ein Abholservice zum gewohnten Menüpreis angeboten. Mit dem Senioren-Hilfstelefon wurden ältere Bürgerinnen und Bürger von Magistratsmitarbeitern beim Einkauf unterstützt. Und natürlich gab es auch für die Klagenfurter Wirtschaftsbetriebe Unterstützung: unter anderem wurden mit der 20-Prozent-Cash-Back-Aktion 1,1 Millionen Euro Umsatz erzeugt. Von den Kundinnen und Kunden wurden insgesamt 6.500 Rechnungen eingereicht
– ein schöner Erfolg, das Geld kam sofort in der Wirtschaft an und wir konnten die Klagenfurterinnen und Klagenfurter unterstützen.

Sogar an Klagenfurts „Wasserratten“wurde gedacht …
Viele der Klagenfurterinnen und Klagenfurter sind begeisterte Schwimmer, und Sport ist ein guter Ausgleich. Es war mir deshalb ganz besonders wichtig, zumindest das Strandbad Loretto am traditionellen 1. Mai als freien Seezugang fürs Schwimmen zu öffnen. Klagenfurt hat also zusammen gehalten … Die Welle der Solidarität, die durch die ganze Stadt gegangen ist, hat mich berührt und stolz gemacht. Viele haben für Menschen aus der Risikogruppe Besorgungen erledigt. Ich kann allen, die unsere Gesellschaft in dieser schweren Zeit am Laufen gehalten und dafür ihre eigene Gesundheit riskiert haben, nicht genug danken. Egal ob im Krankenhaus, in der Pflege, in den Supermärkten, im Magistrat oder im öffentlichen Verkehr, aber auch den vielen Eltern, die von heute auf morgen daheim die Kinderbetreuung übernehmen mussten und so vielen mehr. Ich habe für sie alle den größten Respekt. Sie sind die wahren Heldinnen und Helden dieser Krise.

Wie beurteilen Sie den Umgang der Bundesregierung mit der Coronakrise?
Die niedrigen Fallzahlen in Österreich beweisen, dass die Bundesregierung im Kampf gegen die Krankheit vieles richtig gemacht hat. Die niedrigen Infektionszahlen in Klagenfurt und Kärnten sind auch auf die hervorragende Arbeit der Krisenstäbe  zurückzuführen. An dieser Stelle möchte ich allen Einsatzorganisation danken. Jetzt ist es aber wichtig, den Blick nach vorne zu
richten, rasch zur Normalität zurückzukehren und die Wirtschaft und das Leben wieder hochzufahren.

Die Krise kostet die Stadt Klagenfurt einen zweistelligen Millionenbetrag. Müssen wir uns Sorgen um die Zukunft machen?
Wir haben in den vergangenen Jahren gut gewirtschaftet und gemeinsam mit unseren Koalitionspartnern eine finanzmarode  Stadt saniert. Klagenfurt wird die geplanten Zukunftsprojekte, wie das Hallenbad, umsetzen und weiterhin für alle da sein: von den sozial Schwachen bis zu den Älteren. Gleichzeitig werden wir nicht jede populistische Forderung erfüllen können. Das werden die Menschen aber auch verstehen. Davon bin ich fest überzeugt.

Apropos „auf Kurs“: Es gibt ja den alten Seemannsspruch „Im Sturm muss der Kapitän auf der Brücke sein“. War das Ihr Credo als Krisenmanagerin?
(lacht) Frau Kapitän, wenn schon. Nein im Ernst; als Bürgermeisterin ist es natürlich meine Pflicht, in unsicheren Zeiten mehr  noch als sonst die Führung zu übernehmen. Und das habe ich getan. Wir danken für das Gespräch. Ich bedanke mich auch und wünsche allem Klagenfurterinnen und Klagenfurtern, dass sie die Krise gut überstehen und vor allem Gesundheit!

COVID-19 Pandemie – ein Kommentar von Vizebürgermeister Jürgen Pfeiler
Gesundheit und Bildung – der Mensch im Mittelpunkt

COVID-19 Pandemie

Soziales

Gesundheit & Bildung

Das könnte Sie außerdem interessieren

Menü